Artikel zum Bürgerengagement
Mit Spaß für die Bürgergesellschaft!
Moment mal! Wofür? Was ist das eigentlich „Bürgergesellschaft“?
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Wenn Menschen die Gestaltung der Gesellschaft selbstbewusst in die Hand nehmen, dann verändert sich etwas. Und wenn die Grundlagen und Ziele dieser Gestaltung Solidarität und Partizipation, der Wille zum Neuen und Emanzipatorischen sind – dann kann man von „Bürgergesellschaft“sprechen – und natürlich selbstredend von Bürgerinnengesellschaft. Denn die Mehrzahl der zivilgesellschaftlich Aktiven sind Frauen.
                                                                                                            
Zivilgesellschaftliches Engagement ist innovativ und neu. Es „baut“ Bürgergesellschaft, indem es kreative Formen der Beteiligung und Verantwortungsübernahme entwickelt und es ist damit eine interessante und nachgerade „republikanische“ Stütze des demokratischen Systems. Das belegen inzwischen viele aktuelle Untersuchungen: wer sich bürgerschaftlich engagiert, ist mitten drin im Leben der Gesellschaft und trägt wesentlich zu ihrer Stabilisierung bei.
  
In Zeiten des Wandels und unter den Bedingungen der Globalisierung erleben wir, wie  sich unser Zusammenleben verändert. Was einmal selbstverständliche Aufgabe des Sozialstaates gewesen ist
geht mehr und mehr in den Verantwortungsbereich seiner Bürgerinnen und Bürger über. Das kann man beklagen – aber man kann auch erkennen, dass es höchste Zeit ist, eine Vorstellung davon zu entwickeln, wie unsere Gesellschaft in Zukunft aussehen soll – wie wir miteinander leben wollen, was nötig ist und was wir nicht aufgeben wollen.
  
Was das ehrenamtliche Engagement betrifft, so kann man ohne weiteres von einem Paradigmenwechsel sprechen. Längst ist das klassische „Ehrenamt“ aus der allein  der Organisation dienenden Funktion herausgetreten. Das Ehrenamt von heute – wir nennen es Engagement, dient nicht mehr primär einer Institution oder „dem Staat“, sondern dem zivilgesellschaftlichen Miteinander.
   
Dabei bedeutet zivilgesellschaftliches Engagement nicht, dass nun ohne weiteres staatliche Aufgaben „dem Ehrenamt“überlassen werden sollen – so wie es der Begriff „Ehrenamt“ traditionell nahe legt.
Das ist übrigens bei den Engagierten sowieso Konsens: der Staat kann und darf nicht aus seiner Verpflichtung für die Menschen entlassen werden! Der entscheidende Unterschied zwischen dem traditionellen Ehrenamt und dem zivilgesellschaftlichen Engagement ist daher, dass es nicht darum
geht Lücken staatlicher Versorgung zu schließen, sondern darum selbstorganisiert und selbstbewusst Konzepte, Aktionen und Engagement für die Gesellschaft zu entwickeln. Damit hat sich der Fokus geändert.
   
Inzwischen werden  viele Aufgaben, im Sportverein, an Schulen, in Kirchen, in diakonischen Einrichtungen, von zivilgesellschaftlich engagierten Menschen professionell und „engagiert“ erledigt.
Der Staat tut gut daran für solches Engagement Voraussetzungen schaffen, es zu fördern und Menschen dazu zu motivieren. Allerdings befindet sich das zivilgesellschaftliche Engagement ganz zwangsläufig  im Spannungsfeld von staatlicher Förderung und Unterstützung einerseits und der Gefahr der stillschwei- genden Übernahme durch staatliche Institutionen andererseits.
Das Engagement „neuen Typs“weckt Begehrlichkeiten. Die wachsende Bereitschaft staatlicher Institutionen neue Engagementformen zu unterstützen ist natürlich auch der Einsicht geschuldet, dass das selbstbewusste neue Bürger- und Bürgerinnenengagement entlastend ist – für die „klassischen“Institutionen und natürlich auch für das gesellschaftliche Miteinander. 
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Engagement, so wie wir es heute erleben, sucht sich Orte und Formen. Es definiert Zielgruppen und bildet Netzwerke. Die Engagierten leisten qualitativ hochwertige und innovative Aufbauarbeit. Manche von ihnen tun dies in Anbindung an Vereine und Organisationen – andere machen Ausbildungen z.B.  im Bereich „Erfahrungswissen für Initiativen“ (EfI)  und bringen ihr Wissen und ihre Erfahrung in eigene Projekte innerhalb ihrer Kommunen ein.
Wir erleben damit eine Veränderung, die Folgen hat:
Wer sich zivilgesellschaftlich engagiert tut dies häufig nicht mehr allein aus altruistischen Gründen – vielmehr liegt im Engagement auch eine Chance zur Selbstverwirklichung und – entwicklung. Es ist heute ganz selbstverständlich, dass zivilgesellschaftliches Engagement auch „etwas bringen“ darf. Nicht Geld und nicht eine diffuse „Ehre“, sondern Bestätigung, Entwicklung, Netzwerkbeziehungen und Spaß!
Ja – Engagement darf Spaß machen… und wer sich engagiert weiß dass das gewiss nicht im Sinne von „Beliebigkeit“ oder substanzloser „Spaßgesellschaft“ zu verstehen ist. Spaßhaben heißt: mit Freude dabei sein und mit anderen „die Sache anpacken“. Spaß haben heißt auch – Gemeinsamkeit und Gemeinschaft erfahren, im Team arbeiten, mit anderen etwas „auf die Beine“ stellen und sich gemeinsam freuen, wenn es klappt! Im zivilgesellschaftlichen Engagement heißt es: „Ich mit anderen für andere“ – aber auch „Andere mit anderen für mich“!
„Mit Spaß für die Bürgergesellschaft“– das ist ein Wesensmerkmal des neuen Engagements. Und wahrscheinlich der beste Grund mit zu machen!

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Martina Wasserloos-Strunk
Ev. Erwachsenenbildungswerk Nordrhein              
Referentin im EFI-Programm NRW
    
(Art. veröffentlicht in BAGSO 2/2009)